Krankentagegeld – Ihr Einkommensschutz bei längerer Krankheit
Das Krankentagegeld zahlt Ihnen bei längerer Krankheit einen täglichen Geldbetrag, um Einkommensverluste auszugleichen.
Warum ist das Krankentagegeld wichtig?
Wenn sich der eigene Gesundheitsstatus merklich verändert, greift dies auf alle Lebensbereiche über: Nach einigen Wochen Krankheit endet die Lohnfortzahlung. Das gesetzliche Krankengeld reicht oft nicht aus, um Ihren Lebensstandard zu halten.
Zeitlicher Ablauf bei Krankheit
| Zeitraum | Wer zahlt? | Höhe der Leistung |
| Woche 1 bis 6 | Arbeitgeber | 100 % des Bruttolohns (Lohnfortzahlung) |
| Ab Woche 7 | Krankenkasse | Krankengeld (ca. 70 % des Brutto, max. 90 % des Netto) |
Was deckt das Krankentagegeld ab?
- Tägliche Geldleistung bei Arbeitsunfähigkeit
- Flexible Höhe je nach Bedarf
1. Die bedarfsgerechte Absicherung der Netto-Lücke
Da das gesetzliche Krankengeld (ab der 7. Woche) nur etwa 70 % bis 75 % Ihres Nettoeinkommens abdeckt, entsteht eine Lücke. „Nach Bedarf“ bedeutet hier:
- Sie versichern nicht einen starren Pauschalbetrag, sondern genau die Summe, die Ihnen monatlich zum gewohnten Netto fehlt.
- Beispiel: Wenn Ihnen 20 € pro Tag fehlen, wählen Sie einen Tagessatz von 20 €. Brauchen Sie 50 €, wählen Sie 50 €.
2. Flexibilität durch Erhöhungsoptionen (Dynamik)
„Flexibel“ bezieht sich oft auf die Möglichkeit, das Tagegeld ohne erneute Gesundheitsprüfung anzupassen, wenn sich Ihr Leben ändert:
- Gehaltssprung: Wenn Sie mehr verdienen, wächst Ihr Bedarf. Sie können den Tagessatz nach oben schrauben.
- Karriereschritte: Bei Beförderungen oder dem Schritt in die Selbstständigkeit lässt sich der Tarif anpassen.
Die wichtigste Regel: Das Bereicherungsverbot
Trotz des Wortes „flexibel“ gibt es eine strikte Grenze. In Deutschland darf man an einer Krankheit nicht „verdienen“.
Die Faustformel: >
$$Krankengeld (GKV) + Krankentagegeld (Privat) \le Nettoeinkommen$$
Sie können also nicht „nach Bedarf“ 150 € am Tag versichern, wenn Sie eigentlich nur 80 € verdienen. Die Versicherung würde im Leistungsfall nur so viel zahlen, dass Sie Ihr vorheriges Nettoeinkommen nicht überschreiten.
Begriffe
- Karenzzeit – Zeitpunkt, ab dem gezahlt wird
- Tagessatz – Höhe der Leistung
Für wen ist das Krankentagegeld relevant?
- Selbstständige/Freiberufler/Künstler (besonders wichtig)
- Gutverdiener
- Angestellte mit Versorgungslücke
Typische Karenzzeiten je nach Berufsgruppe
Die Wahl der Karenzzeit hängt extrem davon ab, wie Sie abgesichert sind:
- Angestellte (Karenzzeit: 42 Tage): Da der Arbeitgeber 6 Wochen (42 Tage) lang den Lohn weiterzahlt, benötigt ein Angestellter das private Krankentagegeld erst ab dem 43. Tag. Die Karenzzeit beträgt also 42 Tage.
- Selbstständige (Karenzzeit: variabel, oft 7, 14 oder 21 Tage): Selbstständige haben keinen Arbeitgeber, der den Lohn fortgezahlt. Sie müssen die ersten Wochen aus eigenen Rücklagen finanzieren. Wer nur kurze Zeit überbrücken kann, wählt eine kurze Karenzzeit (zum Beispiel Zahlung ab dem 15. Tag), was jedoch den Beitrag erhöht.
- Freiberufler/Künstler (Karenzzeit: oft sehr kurz): Hier gibt es Tarife, die bereits ab dem 4. oder 8. Tag leisten, da oft gar keine Rücklagen für Ausfallzeiten vorhanden sind.
Ein Praxisbeispiel zur Verdeutlichung
Angenommen, Sie sind Angestellter und haben ein Krankentagegeld mit einer Karenzzeit von 42 Tagen vereinbart:
- Tag 1 bis 42: Sie sind krankgeschrieben. Der Arbeitgeber zahlt 100 % Gehalt. Die Versicherung zahlt nichts (Karenzzeit).
- Tag 43: Die Lohnfortzahlung stoppt. Ab heute erhalten Sie das gesetzliche Krankengeld der Kasse plus Ihr versichertes privates Krankentagegeld.
Wichtig:
Die Karenzzeit beginnt bei jedem neuen Krankheitsfall von vorn, sofern es sich nicht um eine Fortsetzungserkrankung handelt.
Unterschied zwischen Karenzzeit und Wartezeit
Verwechseln Sie die Karenzzeit nicht mit der Wartezeit:
- Wartezeit: Die Zeit nach Vertragsabschluss (meist 3 Monate), in der Sie generell noch keinen Anspruch auf Leistungen haben.
- Karenzzeit: Die Zeit zu Beginn jeder Krankschreibung, bis das Geld fließt.
Abschluss
Frühzeitig, da die Gesundheitsprüfung erfolgt.
Kostentreiber
- Der von Ihnen bei Abschluss gewählte Tagessatz
- Die für Sie geltende Karenzzeit
- Ihr Alter bei Abschluss der Krankentagegeld-Zusatzversicherung.
Häufige Missverständnisse
- „Das Krankengeld reicht dann schon im Ernstfall.“ – Vorsicht! Oft ist das nicht der Fall.
- „Das lohnt sich doch nur für Selbstständige.“ – Falsch, auch Angestellte profitieren.
Praxisbeispiel Krankentagegeld
Klaus hatte vor 3 Jahren eine Krankentagegeldversicherung abgeschlossen. Nach einem Schlaganfall ist er langfristig arbeitsunfähig.
👉 Bruttogehalt: 3.500 € monatlich
👉 Gesetzliches Krankengeld: ca. 70 % vom Brutto = 2.450 € monatlich
👉 Krankentagegeld (privat): z. B. 30 € pro Tag = ca. 900 € monatlich
👉 Gesamte Absicherung: 2.450 € + 900 € = 3.350 € pro Monat
👉 Ergebnis: fast vollständige Absicherung des Einkommens trotz Krankheit.
Checkliste
- Gemeinsam berechnen wir die im Krankheitsfall entstehende Einkommenslücke.
- Im gleichen Zug wählen Sie den für Sie passenden passenden Tagessatz aus.
- Auch die für Sie geltende Karenzzeit definieren wir zusammen.
Weiterführende Themen
👉 Erwerbsunfähigkeitsversicherung
👉 Berufsunfähigkeitsversicherung