Private Unfallversicherung – Finanzielle Absicherung nach einem Unfall
Was ist eine private Unfallversicherung?
Die private Unfallversicherung unterstützt Sie bei den finanziellen Folgen eines Unfalls. Sie kann eine Leistung zahlen, wenn Sie durch einen Unfall bleibende körperliche Schäden erleiden oder versterben.
Warum ist eine private Unfallversicherung wichtig?
Die gesetzliche Unfallversicherung greift grundsätzlich bei Unfällen am Arbeitsplatz, in der Schule oder auf den unmittelbar damit verbundenen Wegen. Private Freizeit- und Sportunfälle sind in der Regel nicht abgesichert. Eine private Unfallversicherung kann diese Lücke schließen.
Welche Leistungen bietet eine private Unfallversicherung?
- Invaliditätsleistung – als einmalige Auszahlung
- Unfallrente – vereinbarte monatliche Rate
- Todesfallleistung – an die Hinterbliebenen
- Krankenhaustagegeld & Rehabilitationshilfen
- Optionale Bausteine – Unfallrente und Sofortleistung bei schweren Unfällen
Wichtige Begriffe
- Gliedertaxe – Legt fest, welcher Invaliditätsgrad beim vollständigen Verlust oder bei vollständiger Funktionsunfähigkeit eines Körperteils angenommen wird.
- Unfalldefinition – Bestimmt, welche Ereignisse als Unfall gelten. Die klassische PAUKE-Formel beschreibt ein plötzlich von außen auf den Körper wirkendes Ereignis, durch das unfreiwillig eine Gesundheitsschädigung entsteht.
- Progression – Sorgt bei höheren Invaliditätsgraden für eine überproportionale Erhöhung der Versicherungsleistung.
- Zusatzbausteine – Können beispielsweise kosmetische Operationen, Rehabilitationsleistungen oder weitere Soforthilfen umfassen.
Welche Zusatzbausteine kann eine private Unfallversicherung enthalten?
Finanzielle Soforthilfen
Unfallkrankenhaustagegeld (UKT): Zahlt für jeden Tag, den Sie vollstationär im Krankenhaus liegen. Oft wird im Ausland sogar der doppelte Satz gezahlt.
Genesungsgeld: Wird im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt für die gleiche Anzahl an Tagen gezahlt, um die Erholung zu Hause finanziell zu unterstützen.
Übergangsleistung: Wenn nach 6 Monaten noch schwere Beeinträchtigungen bestehen, aber der endgültige Invaliditätsgrad noch nicht feststeht, gibt es eine Vorab-Zahlung – meist bei 50 % Beeinträchtigung.
Schmerzensgeld/Gipsgeld: Eine Einmalzahlung bei bestimmten Verletzungen, zum Beispiel Knochenbrüchen oder Bänderrissen, auch wenn kein bleibender Schaden zurückbleibt.
Langfristige Absicherung
Unfallrente: Eine lebenslange monatliche Zahlung, meist ab einem Invaliditätsgrad von 50 %.
Todesfallleistung: Zahlt eine feste Summe an die Hinterbliebenen, wenn der Unfall innerhalb eines Jahres zum Tod führt. Dies dient oft auch dazu, die Versicherungssumme für Invalidität vorab flüssig zu machen.
Assistance-Leistungen
Besonders beliebt für Singles, Senioren oder Familien: Die Versicherung organisiert und bezahlt praktische Hilfe im Alltag.
Haushaltshilfe: Putzen, Kochen und Wäsche waschen.
Fahrdienste: Zu Ärzten, Therapeuten oder Behörden.
Pflegeservice: Grundpflege für eine Übergangszeit, zum Beispiel 6 Monate.
Kinder-/Tierbetreuung: Wenn Sie sich selbst nicht kümmern können.
Menüservice: „Essen auf Rädern“ nach dem Unfall.
Medizinische & kosmetische Extras
Kosmetische Operationen: Übernahme von Kosten für Operationen, die das äußere Erscheinungsbild nach einem Unfall wiederherstellen, inklusive Zahnersatz.
Bergungskosten: Übernahme der Kosten für Suche, Rettung und den Rücktransport aus dem In- oder Ausland – wichtig für Wanderer und Skifahrer.
Reha-Management: Ein professioneller Berater unterstützt Sie bei der Auswahl der besten Kliniken und Therapien, um die Heilung zu beschleunigen.
Was deckt eine private Unfallversicherung nicht ab?
Die private Unfallversicherung leistet grundsätzlich bei Unfällen und deren versicherten Folgen. Krankheiten oder rein krankheitsbedingte Beeinträchtigungen sind nicht automatisch abgesichert. Entscheidend sind die vertragliche Unfalldefinition und die vereinbarten Leistungen.
Für wen ist eine private Unfallversicherung relevant?
- Freizeit- und Outdoorsportler
- Eltern, die ihre Kinder zusätzlich absichern möchten
- Berufstätige, die über die gesetzliche Unfallversicherung hinaus absichern wollen
- Personen, die sich gegen die finanziellen Folgen einer unfallbedingten Invalidität absichern möchten
Wann kann eine private Unfallversicherung sinnvoll sein?
- Alter und Beruf
- Höhe der Invaliditätsleistung
- Gewählte Progression
- Vereinbarte Zusatzbausteine
- Ggf. mitversicherte Risiken und Aktivitäten
Häufige Missverständnisse
- „Eine Unfallversicherung ersetzt eine Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung.“ → Das ist nicht richtig. Die private Unfallversicherung leistet ausschließlich bei versicherten Unfallfolgen.
- „Eine private Unfallversicherung ist nur für Kinder relevant.“ → Auch Erwachsene können sich gegen die finanziellen Folgen eines Unfalls absichern.
- „Krankheiten sind automatisch mitversichert.“→ Das ist nicht richtig. Grundsätzlich muss ein Unfall im Sinne der Versicherungsbedingungen vorliegen.
Praxisbeispiele
Beispiel 1 – Mountainbiker
Ein Mountainbiker stürzt auf einem steilen Trail über den Lenker und erleidet eine komplizierte Beinfraktur. → Die Unfallversicherung zahlt eine Einmalleistung und Reha-Kosten.
- Versicherungssumme: 100.000 €
- Progression: 225 %
- Invaliditätsgrad: 30 %
- Ohne Progression: 30.000 €
- Mit Progression: ca. 45.000 €
- Zusätzlich: Reha-Kosten: 5.000 €
➡️ Gesamtleistung: ca. 50.000 €
Beispiel 2 – Unfall auf dem Spielplatz
Ein Kind stürzt beim Klettern auf dem Spielplatz aus mehreren Metern Höhe und verletzt sich am Arm. → Die Krankenhaus- und Reha-Kosten werden übernommen.
- Versicherungssumme: 80.000 €
- Progression: 350 %
- Invaliditätsgrad: 20 %
- Ohne Progression:16.000 €
- Mit Progression: ca. 25.000 €
- Zusätzliche Krankenhausleistung: 3.000 €
- Zusätzliche Reha-Leistung: 2.000 €
➡️ Gesamtleistung: ca. 30.000 €
Checkliste
- Legen Sie eine passende Invaliditätssumme fest.
- Prüfen Sie die Gliedertaxe.
- Prüfen Sie die vereinbarte Progression.
- Wählen Sie relevante Zusatzbausteine aus.
- Wir prüfen gemeinsam mit Ihnen relevante Angebote.
Weiterführende Themen
👉 Berufsunfähigkeitsversicherung – Absicherung bei Berufsunfähigkeit
👉 Grundfähigkeitsversicherung – Absicherung beim Verlust vertraglich definierter Fähigkeiten
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